Das neue KRITIS-Dachgesetz erhöht die Anforderungen an den Schutz und die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur in Deutschland. Betreiber müssen sich intensiver mit Risiken, dem physischen Schutz ihrer Anlagen und der Wiederherstellung nach möglichen Vorfällen beschäftigen. Moderne Drohneninspektionen können dabei ein wertvolles Werkzeug für Zustandserfassung, technische Dokumentation, Thermografie und Vermessung sein.
Kritische Infrastruktur rückt stärker in den Fokus
Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Verkehr, Gesundheitswesen und Telekommunikation gehören zu den Bereichen, auf deren zuverlässige Funktion eine moderne Gesellschaft angewiesen ist. Ausfälle können weitreichende Folgen haben.
Mit dem am 17. März 2026 in Kraft getretenen KRITIS-Dachgesetz schafft Deutschland erstmals einen sektorübergreifenden gesetzlichen Rahmen zur Stärkung der physischen Widerstandsfähigkeit kritischer Anlagen. Erfasst werden unter anderem die Bereiche Energie, Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Informationstechnik und Telekommunikation sowie die Siedlungsabfallentsorgung.
Ziel ist nicht nur, Anlagen besser gegen einzelne Gefahren zu schützen. Betreiber sollen Risiken systematisch betrachten, geeignete Maßnahmen treffen und sicherstellen, dass wichtige Dienstleistungen auch nach einem Vorfall möglichst schnell wiederhergestellt werden können.
Dabei geht es beispielsweise um Naturereignisse, technische Störungen, Unfälle oder gezielte menschliche Einwirkungen.
Was verlangt das KRITIS-Dachgesetz?
Ein zentraler Bestandteil sind künftig eigene Risikoanalysen der Betreiber. Diese sollen grundsätzlich mindestens alle vier Jahre durchgeführt werden. Dabei müssen auch Abhängigkeiten von anderen kritischen Dienstleistungen berücksichtigt werden.
Auf Grundlage dieser Bewertung müssen Betreiber angemessene technische, organisatorische und sicherheitsbezogene Maßnahmen treffen.
§ 13 des KRITIS-Dachgesetzes nennt dabei beispielsweise Maßnahmen des Objektschutzes, Verfahren zur Überwachung der Umgebung, Detektionsgeräte und Zugangskontrollen. Außerdem müssen Abläufe für Krisen und Alarmfälle sowie Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und Wiederherstellung des Betriebs berücksichtigt werden.
Die getroffenen Maßnahmen müssen in einem sogenannten Resilienzplan dargestellt und bei Bedarf aktualisiert werden.
Damit gewinnt auch eine Frage an Bedeutung:
Wie lässt sich der tatsächliche Zustand einer Anlage effizient, sicher und nachvollziehbar erfassen?
Genau an dieser Stelle können moderne Drohnensysteme unterstützen.
Drohneninspektion als Werkzeug zur Zustandserfassung
Eine Drohne ersetzt weder ein Sicherheitskonzept noch eine Risikoanalyse. Sie kann jedoch hochwertige Daten liefern, die bei technischen Bewertungen und bei der Dokumentation von Anlagen genutzt werden können.
Besonders bei großen, hohen oder schwer zugänglichen Bauwerken kann eine Drohneninspektion Bereiche erfassen, die vom Boden aus nur eingeschränkt einsehbar sind.
Dazu gehören beispielsweise Dächer, Fassaden, technische Aufbauten, Leitungsbereiche, Masten, größere Betriebsgelände oder schwer erreichbare Anlagenteile.
Hochauflösende Kameras ermöglichen eine detaillierte visuelle Dokumentation. Auffälligkeiten wie Beschädigungen, Materialveränderungen oder andere sichtbare Veränderungen können anschließend gezielt ausgewertet und dokumentiert werden.
Der entscheidende Vorteil liegt dabei nicht nur in der Aufnahme einzelner Bilder. Durch eine systematische Befliegung entsteht eine nachvollziehbare Dokumentation des Anlagenzustands zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Regelmäßige Dokumentation macht Veränderungen sichtbar
Besonders interessant wird eine Drohneninspektion, wenn Aufnahmen nicht nur einmalig erstellt werden.
Werden Anlagen in regelmäßigen Abständen unter vergleichbaren Bedingungen erfasst, können Veränderungen wesentlich einfacher nachvollzogen werden.
Ein Betreiber kann beispielsweise Aufnahmen aus verschiedenen Jahren vergleichen und erkennen, ob sich Schäden vergrößert haben, bauliche Veränderungen vorgenommen wurden oder bestimmte Bereiche erneut untersucht werden sollten.
Damit entsteht eine digitale Dokumentation, die auch langfristig einen Mehrwert bieten kann.
Für Betreiber sensibler Infrastruktur kann eine solche nachvollziehbare Bestandserfassung eine sinnvolle Ergänzung bestehender Wartungs- und Inspektionsverfahren darstellen.
Thermografie kann technische Auffälligkeiten sichtbar machen
Neben klassischen RGB-Aufnahmen kann je nach Anlage auch die Drohnen-Thermografie eingesetzt werden.
Wärmebildkameras erfassen Temperaturunterschiede und können dadurch Auffälligkeiten sichtbar machen, die mit einer normalen Kamera nicht oder nur schwer erkennbar sind.
Mögliche Einsatzbereiche sind beispielsweise elektrische Anlagen, Photovoltaikanlagen, Gebäudehüllen, technische Komponenten oder Wärmeverluste.
Dabei gilt allerdings: Ein Wärmebild allein stellt noch keine technische Diagnose dar. Entscheidend sind geeignete Aufnahmebedingungen und eine fachgerechte Interpretation der Daten.
Richtig eingesetzt ermöglicht die Thermografie jedoch eine schnelle Untersuchung größerer Bereiche und kann Hinweise liefern, welche Komponenten anschließend genauer kontrolliert werden sollten.
Orthofotos, 3D-Modelle und Vermessungsdaten
Moderne Drohnen können eine Anlage nicht nur fotografieren, sondern auch geometrisch erfassen.
Aus einer Vielzahl überlappender Luftbilder lassen sich beispielsweise Orthofotos, Punktwolken, digitale Oberflächenmodelle und dreidimensionale Modelle erstellen.
Damit können Flächen dokumentiert, Entfernungen bestimmt, Geländestrukturen analysiert oder bauliche Situationen digital festgehalten werden.
Gerade bei weitläufigen Anlagen kann ein hochauflösendes Orthofoto eine übersichtliche Grundlage schaffen, auf der Gebäude, Zufahrten, technische Anlagen und weitere Strukturen gemeinsam dargestellt werden.
Je nach Aufgabenstellung können zusätzliche Vermessungsverfahren eingesetzt werden, um die Genauigkeit der Ergebnisse weiter zu erhöhen.
Dokumentation nach Sturm, Hochwasser oder anderen Ereignissen
Ein weiterer möglicher Einsatzbereich ergibt sich unmittelbar nach einem außergewöhnlichen Ereignis.
Nach Sturm, Starkregen, Hochwasser, Brand oder einer technischen Störung kann es erforderlich sein, große oder schwer erreichbare Bereiche möglichst schnell zu kontrollieren.
Hier bietet der Drohneneinsatz einen besonderen Vorteil: Eine erste visuelle Erfassung kann aus sicherer Entfernung erfolgen, ohne dass Personal unmittelbar in möglicherweise gefährdete Bereiche geschickt werden muss.
Beschädigungen können dokumentiert und auffällige Stellen für eine anschließende genauere Untersuchung identifiziert werden.
Auch hier ersetzt die Drohne keine fachtechnische Prüfung. Sie kann jedoch schnell einen Überblick liefern und eine belastbare Bilddokumentation schaffen.
Drohnen sind nicht automatisch Bestandteil des KRITIS-Dachgesetzes
Dieser Punkt ist wichtig:
Das KRITIS-Dachgesetz schreibt den Einsatz von Drohnen nicht vor.
Auch die im Gesetz genannten Verfahren zur Überwachung der Umgebung und der Einsatz von Detektionsgeräten bedeuten nicht automatisch, dass Betreiber Drohnen einsetzen müssen.
Drohnen sind vielmehr eines von vielen technischen Werkzeugen, mit denen Betreiber oder von ihnen beauftragte Fachunternehmen bestimmte Aufgaben effizient durchführen können.
Ihr Nutzen liegt insbesondere in der schnellen und berührungslosen Datenerfassung sowie der Möglichkeit, schwer zugängliche Bereiche detailliert zu dokumentieren.
Gleichzeitig werden unbefugte Drohnen zum Sicherheitsproblem
Das Thema Drohne hat im Zusammenhang mit kritischer Infrastruktur allerdings zwei Seiten.
Während eine beauftragte Drohneninspektion wertvolle technische Informationen liefern kann, können unbefugte Drohnenflüge an sensiblen Anlagen ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Das KRITIS-Dachgesetz nennt ausdrücklich die Überwachung der Umgebung und den Einsatz von Detektionsgeräten als mögliche Maßnahmen zum physischen Schutz einer Anlage.
Für professionelle Drohnendienstleister bedeutet das umso mehr, dass Einsätze an sensiblen Anlagen sorgfältig vorbereitet werden müssen.
Dazu gehören die Prüfung des Luftraums, die Berücksichtigung geografischer UAS-Gebiete, notwendige Betreiberzustimmungen sowie eine eindeutige Abstimmung mit dem Auftraggeber.
Ein professionell geplanter Inspektionsflug unterscheidet sich damit grundlegend von einem unkoordinierten oder unbefugten Drohnenflug.
Noch sind nicht alle Details der Umsetzung festgelegt
Das KRITIS-Dachgesetz ist bereits in Kraft. Die konkrete Umsetzung befindet sich jedoch noch im Aufbau.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe weist aktuell darauf hin, dass unter anderem die Rechtsverordnung zur genauen Bestimmung kritischer Anlagen sowie weitere Vorgaben und Mindestanforderungen noch erarbeitet werden.
Nach Angaben des BBK besteht deshalb derzeit noch keine allgemeine Registrierungspflicht auf Grundlage des neuen Gesetzes. Erst nach Inkrafttreten der entsprechenden Rechtsverordnung werden für die betroffenen Betreiber weitere Fristen und Verpflichtungen ausgelöst.
Das BBK empfiehlt Betreibern allerdings ausdrücklich, sich bereits jetzt mit der eigenen Resilienz auseinanderzusetzen.
Moderne Drohnentechnik als Baustein technischer Resilienz
Das KRITIS-Dachgesetz macht deutlich, dass der physische Zustand und die Widerstandsfähigkeit wichtiger Infrastruktur stärker in den Mittelpunkt rücken.
Professionelle Drohneninspektionen können dabei einen praktischen Beitrag leisten. Hochauflösende Luftbilder, Wärmebildaufnahmen, Orthofotos, Vermessungsdaten und 3D-Modelle ermöglichen es, technische Anlagen aus unterschiedlichen Perspektiven zu erfassen und ihren Zustand nachvollziehbar zu dokumentieren.
Gerade bei schwer zugänglichen, großflächigen oder erhöhten Anlagen kann die Drohne eine effiziente Ergänzung klassischer Inspektionsverfahren darstellen.
Ruhr-Inspekt unterstützt Unternehmen und Betreiber bei der drohnengestützten Inspektion, Thermografie, Vermessung und technischen Dokumentation von Gebäuden und Anlagen. Der konkrete Einsatz wird individuell geplant und an die örtlichen, technischen und luftrechtlichen Anforderungen angepasst.
Stand: 14. September 2026