Unterwegs mit den Rehkitzrettern

Rehkitzrettung mit Hilfe der Wärmebilddrohne

Wenn Wiesen gemäht werden, kann das für junge Rehkitze schnell lebensgefährlich werden. Gut getarnt liegen sie im hohen Gras und fliehen bei Gefahr oft nicht. Stattdessen drücken sie sich instinktiv flach auf den Boden. Was sie normalerweise vor natürlichen Feinden schützt, wird bei der Mahd zur großen Gefahr.

Vom Traktor aus und selbst bei einer Suche zu Fuß sind die Tiere im dichten Gras kaum zu entdecken. Mit einer Wärmebilddrohne lassen sich versteckte Kitze deutlich besser aufspüren und rechtzeitig vor Beginn der Mäharbeiten in Sicherheit bringen.

Ruhr-Inspekt unterstützt deshalb ab sofort den Kitzretter e.V. aus Hagen ehrenamtlich bei der Rehkitzrettung.

Luftaufnahme einer nebelverhangenen Wiesenlandschaft bei Sonnenaufgang im Morgengrauen
Wildtierrettung Kitzretter e.V.

Rehkitzrettung in Zahlen

Warum der Einsatz so wichtig ist – und was Wärmebilddrohnen heute leisten.

Gefährdete Kitze pro Jahr Schätzungen zufolge sterben in Deutschland bis zu 100.000 Rehkitze jährlich den Mähtod.
Mit Drohnen gerettet (2024) Rund 15.000 Kitze wurden 2024 mit Hilfe geförderter Wärmebilddrohnen vor der Mahd gerettet.
Zuverlässigste Methode Drohnen mit Wärmebildkamera gelten als die effektivste Methode, um versteckte Kitze rechtzeitig aufzuspüren.
Vorlauf zur Mahd 48 bis 72 Stunden vor dem Mähtermin sollte die Fläche gemeldet werden, damit ein Team eingeplant werden kann.

Zahlen: Schätzungen u. a. aus dem Bundesförderprogramm Rehkitzrettung (BLE/BMLEH); genaue Werte schwanken je nach Quelle und Jahr.

So läuft die Rehkitzrettung mit der Wärmebilddrohne ab

Bevor eine Wiese gemäht wird, kann der Landwirt die Fläche beim Kitzretter e.V. anmelden. Der Verein koordiniert den Einsatz, stimmt sich mit den Beteiligten ab und bringt Piloten und Bodenhelfer zusammen. Ruhr-Inspekt hat dabei ehrenamtlich mit einer Wärmebilddrohne unterstützt.

Vorbereitung der Drohne und der Ausrüstung am Rand einer Wiese vor einem Rehkitzrettungs-Einsatz
Am Feldrand wird die Wärmebilddrohne einsatzbereit gemacht.

Am Feldrand wird die Drohne aufgebaut, damit der Einsatz gleich starten kann. Im Optimalfall ist die Fläche bereits in der Flugplanung hinterlegt und der passende Flugweg vorbereitet. So kann die Wärmebilddrohne die Wiese effizient, sicher und lückenlos in gleichmäßigen Bahnen abfliegen.

Die Technik bringt den entscheidenden Unterschied. Mit Hilfe der Wärmebildkamera in der Drohne erkennt der Pilot Temperaturunterschiede im Gras. Liegt ein Rehkitz im Feld versteckt, erscheint es aus der Luft häufig als auffällige Wärmesignatur, die sich von der Umgebung abhebt. Trotzdem braucht es Erfahrung: Nicht jede Wärmesignatur ist automatisch ein Rehkitz. Auch Hasen, Füchse, Vögel, Mäuse, Ameisenhaufen oder erwärmte Maulwurfshügel können auffallen. Deshalb prüft der Pilot den Verdachtsfall genauer, bevor die Bodenhelfer losgeschickt werden.

Luftaufnahme einer Wiese aus der Drohne – ein Rehkitz ist im hohen Gras kaum zu erkennen Dieselbe Szene als Wärmebild – zwei helle Wärmesignaturen verraten die versteckten Rehkitze
Na, wer entdeckt das Rehkitz? Die Wärmebildkamera sieht sogar gleich zwei.

Sobald aus der Luft ein Rehkitz oder eine verdächtige Stelle entdeckt wird, bleibt die Drohne darüber in Position. Dann beginnt der Einsatz der Bodencrew. Zwei Vereinsmitglieder machen sich auf den Weg in Richtung Drohne und werden vom Piloten bei Bedarf per Walkie-Talkie durch das hohe Gras gelotst. Dabei kommt es auf klare Kommunikation an: kleine Korrekturen nach links oder rechts, noch ein paar Meter geradeaus, dann vorsichtig nachsehen.

Bodenhelferin geht mit Kescher durch die hohe Wiese zum Rehkitz
Am Boden machen sich die Bodenhelfer auf den Weg zum Rehkitz.
Helfer sichern ein Rehkitz mit dem Kescher und setzen es vorsichtig in eine Kiste
Mit dem Kescher wird das Kitz gesichert und vorsichtig in die Kiste gesetzt.

Ist ein Kitz gefunden, wird es behutsam mit einem Kescher gesichert. Danach legen die Helfer das Kitz in eine vorbereitete, mit Gras ausgelegte Box. Sie tragen Handschuhe und fassen das Tier nicht mit bloßen Händen an. Zusätzlich nehmen sie Gras aus der direkten Umgebung auf und legen es zwischen Hände und Kitz, damit möglichst wenig menschlicher Geruch an das Tier gelangt. In der Box bleibt das Kitz an einem geschützten Ort, bis die Wiese gemäht ist. Anschließend wird es in der Nähe des Fundortes wieder freigelassen, damit die Ricke es wiederfinden kann.

Helfer sichert ein gefundenes Rehkitz mit Handschuhen und einem Grasbüschel
Das Kitz wird nur mit Handschuhen und Gras angefasst, damit kein fremder Geruch daran bleibt.
Junges Rehkitz schaut aus einer luftigen, belüfteten Transportkiste im hohen Gras
Mit Gras ausgelegt überbrückt das Kitz hier die Mahd, sicher vor dem Mähwerk.
Luftige Körbe und Hilfsmittel zur kurzzeitigen Sicherung von Rehkitzen während der Mahd
Neugieriger Blick aus der Box, kurz bevor es zurück ins Gras gesetzt wird.

Was an einem solchen Morgen gelingt, ist die Leistung vieler Hände. Den Mittelpunkt bildet der Kitzretter e.V. aus Hagen: Er nimmt die Meldungen an, plant die Einsätze, koordiniert Technik und Menschen und sorgt dafür, dass überhaupt jemand zur richtigen Zeit auf der richtigen Wiese steht.

Die Landwirte denken mit und melden ihre Flächen rechtzeitig, bevor gemäht wird. Die Jagdpächter kennen das Revier und sind eingebunden, wo es nötig ist. Die Pilotinnen und Piloten lesen das Wärmebild mit geübtem Auge. Und die Bodenhelferinnen und Bodenhelfer gehen los, finden, sichern und tragen jedes Kitz mit ruhiger Hand aus der Wiese. Dass so viele Menschen früh aufstehen, ihre Freizeit geben und ehrenamtlich zusammenarbeiten, verdient großen Respekt. Genau dieses Miteinander rettet Leben.

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Diese Seite gehört zu Ruhr-Inspekt, beschreibt aber ein ehrenamtliches Engagement und kein gewerbliches Angebot. Wer Fragen zu Drohnendienstleistungen hat, findet die Antworten auf der Kontaktseite.